«Es muss nicht jeder das Rad neu erfinden»

Seit zwei Jahren ist Alain Bregy als Präsident der Gemeinde Leuk im Einsatz– mit einem weitgehend neu zusammengesetzten Gemeinderat und grossen Aufgaben: Hochwasserschutz an Illgraben, Meretschibach und Rhone, dazu die Revision des Zonennutzungsplans. Als Vorsitzender des Steuerungsausschusses von DigiDat setzt er darüber hinaus bei der Digitalisierung auf regionale Zusammenarbeit. Im Gespräch erklärt er, was er sich vom Programm verspricht, warum Leuk unabhängiger vom Finanzausgleich werden will und wie er die Zukunft des Milizsystems einschätzt.

 

Wie läufts in der Gemeinde Leuk? Wo habt ihr aktuell die grössten Challenges?

Fünf von sieben Gemeinderäten, inklusive mir als Präsident, sind vor zwei Jahren neu gewählt worden. Wir haben uns im Rat rasch gefunden und arbeiten gut und effizient zusammen. Dies wohl auch, weil wir alle eine eher pragmatische Einstellung zu unseren Aufgaben haben. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung läuft sehr gut.

Als grösste Herausforderungen sehe ich die Projekte im Bereich Hochwasserschutz (Illgraben, Meretschibach, Rhone) sowie die Gesamtrevision des Zonennutzungsplans. Beim Hochwasserschutz stehen grosse Investitionen an, welche aber für die Sicherheit der Bevölkerung unabdingbar sind. Das wird unsere Verschuldung erhöhen.

Bei den Aufgaben im Bereich Zonenplanung geht es uns wie allen Gemeinden. Es müssen viele verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden, was naturgemäss nicht einfach ist. Wir sind früh gestartet, aber trotzdem noch nicht am Ziel. Auch weil von Seiten Kanton immer wieder neue Vorgaben und Anforderungen kommen.

Mit DigiDat machen zahlreiche Oberwalliser Gemeinden einen gemeinsamen Schritt beim Thema Digitalisierung. Was sind die ersten Eindrücke seit Programmstart? Was versprichst du dir von den weiteren Massnahmen durch DigiDat?

Die Jahresplanung für den Bereich Digitalisierung liegt inzwischen vor. Zu den Schwerpunkten zählen Meet-ups für den Wissensaustausch, die Erarbeitung von Merkblättern, die Begleitung kantonaler Projekte sowie die Unterstützung interkommunaler Digitalisierungsinitiativen. 

Im Rahmen von DigiDat soll die bestehende IT-Landschaft der teilnehmenden Gemeinden vertieft analysiert werden. Ziel ist es, die eingesetzten Systeme, Anwendungen und Herausforderungen besser zu verstehen und daraus gemeinsame Lösungsansätze abzuleiten. Die Erkenntnisse sollen künftig helfen, Projekte gezielter zu priorisieren und Synergien zwischen den Gemeinden besser zu nutzen.

Ist eine regionale Zusammenarbeit in diesem Zusammenhang überhaupt sinnvoll?

Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht immer von Vorteil. Es bringt nichts, dass jeder in seiner Ecke versucht, das Rad neu zu erfinden. Als Beispiel sei hier der Erfahrungsaustausch über regelmässige virtuelle «Meet-ups» zu Themen der Digitalisierung genannt. Da werden praktische Beispiele aus der Praxis vorgestellt. So hat etwa die Gemeinde Salgesch ihre Erfahrungen zum Thema Cyber-Security eingebracht. Davon können alle profitieren.

Blick in die Zukunft: Wie soll die Gemeinde Leuk im Idealfall in zehn Jahren für die Bevölkerung funktionieren?

Die Gemeinde Leuk ist eine attraktive Wohngemeinde, hat aber ein strukturelles Problem. Im Gegensatz zum Wirtschaftszentrum Visp bieten wir wenig Arbeitsplätze an und fast 7 Prozent unserer Jahresrechnung wird über den Finanzausgleich gedeckt. Unser Gemeindegebiet ist weitläufig, was sich negativ auf die Kosten auswirkt. Wir sind zwar auf dem Papier eine Talgemeinde, haben aber teils ähnliche Probleme wie eine Berggemeinde. Im Idealfall erbringen wir unsere Dienstleistungen möglichst kostengünstig, ziehen gute Steuerzahler an, werden unabhängiger vom Finanzausgleich und können hoffentlich eines Tages die Steuern senken.

Wie schaust du auf die Zukunft des Milizsystems im Oberwallis insgesamt?

Ich glaube, dass immer noch viele Leute bereit sind, sich für ihre Gemeinde einzusetzen. Mit Parteien können aber viele nichts mehr anfangen. Die Parteizugehörigkeit interessiert nach den Wahlen im Tagesgeschäft im Gemeinderat zum Glück nicht mehr. In kleinen Gemeinden gerät das Milizsystem sicher an seine Grenzen. Dazu muss man sich nur die zahlreichen Rücktritte und unfreiwilligen Gemeinderäte anschauen. In grösseren Gemeinden scheint das Interesse noch da zu sein, wenn man sich die Kandidatenflut für die Gemeinderatswahlen in Visp vor Augen hält.

Zurück